Den Namen Hitler zu erwähnen lässt ja bereits aufhorchen, aber dann noch in dieser Verbindung?
Ich bin hier in Formosa auf wirkliche Sexisten, Rassisten und Nazi-Deutschland-Verehrer getroffen. Beunruhigend daran finde ich, dass ich als Deutscher sogleich aus dieser real nicht vorhandenen Tradition gesehen werde. Es sind, wie sich zeigt, Einzelfälle; wie z.B. der Ober heute morgen, der wusste, dass ich Deutscher bin und grinsend meinte: “Alemania! Haha, heil Hitler!” und dazu den Hitlergruß machte. Ich lehnte mich verschwörerisch zu ihm hinüber und meinte: Dafür zahlt man in Deutschland eine hohe Geldstrafe oder wandert gleich ins Gefängnis.
Aber diese Art der Gedanken scheint sich hier ohne jede ernsthafte Diskussion fortzusetzen. Als ich vor zwei Wochen einen Bericht im Fernsehen mit ”científicos nazi” betitelt sah, in dem zahlreiche technische Errungenschaften der emigrierten Wissenschaftler aus der Nazizeit präsentiert wurden, wurde der Begriff “Nazi” hier weitgehend wertneutral verwendet; genau genommen sogar positiv belegt, durch das Preisen der Technik in Verbindung mit ihrer Herkunft - ohne jede kritische Randbemerkung.
Vor einigen Tagen war ich zum Essen eingeladen. Ein Besitzer eines Schuhgeschäftes namens Hector und dazu Walter, den ich schon länger kenne, waren dort. Ich fasse zusammen: “Hitler ein Gott”, “der Schwarze faul” und “der Teufel - wenn es ihn gäbe - eine Frau”.
Bevor ich auf das Gespräch eingehe: Die Wohnung von Hector war eine Kombination aus einem überdimensionalen weißen Ledersofa, einem zweifachen Nachdruck eines Ausschnittes aus dem Deckengemälde der sixtinischen Kapelle, zwei Buddha-Figuren, einer Kuckuksuhr, zweier Samurai-Schwerter, einem 1,2m-großen Plasmabildschirm,…

Ich fragte Hector, welche Beziehung er zum Buddhismus habe. Eine Buddha-Figur wurde auf den Tisch gestellt und Buddha groß und weise genannt.
Ich fragte beide, was wohl Buddha über Hilter gedacht und gesagt hätte. Die Buddha-Figur wurde nach weniger Sekunden wieder auf ihren alten Standort verbannt. Mir blieb nicht viel Zeit um meine Buddhasicht auf Hitler auszubreiten.
Als ich erwähnte, dass ich in meinem Studium sehr vielen äußerst fleißigen Schwarzen begegnet wäre, begann ein interessanter kurzer Dialog:
Hector: Ich meine ja auch die im Inneren Schwarzen.
Ich: Aber wenn faul gar nicht direkt mit der Hautfarbe zusammenhängt, ist es dann nicht besser, von den Faulen zu sprechen, statt von den Schwarzen.
H: Du verstehst mich nicht! (zu Walter) er versteht mich nicht!
I: (in Gedanken: Du verstehst Dich nicht)
Nun nur noch kurz zusammengefasst: Hector fühlt sich von allen Frauen betrogen (er ist verheiratet und hat nach Walters Auskunft zwei Geliebte), denen übrigens wie den Schwarzen und den Juden jedes Gefühl fehlt.
Dazu passt auch folgendes: In der Zeit der Diktatur in Argentinien ist Hector im Militär gewesen und sagt: Da gab es keine Gefühle, da wurde - er macht eine Geste, die so viel wie Köpfen bedeuten könnte - egal ob es dein Freund oder deine Schwester war, wenn es sein musste.
Es reicht. Ich kann mir vorstellen, dass Hector ein traumatisierter Mensch ist, der verzweifelt nach Werten sucht, weil ihm der Zugang zu seinen Emotionen als Quelle solcher Werte verwehrt ist. So sucht er sie immer wieder vergeblich in allem Großen oder intensiv Erlebten.
Das war auch, was ich ihm als mein Ergebnis unseres Gesprächs sagte - und er solle lieber in sich selber danach suchen.
Aber wie viel davon angekommen ist, konnte ich wenige Sekunden später hören: Walter kam auf die Idee, etwas für meinen Geburtstag in zwei Wochen zu planen und ist zunächst verwundert, dass ich ablehne und sage, dass ich meinen Geburtstag lieber selber plane. Er stimmt dann doch mit ein, als Hector bewundernd ausruft: “Ha, wie ein SS-Mann, der weiß was er will, ein richtiger Deutscher”.
Hector fühlt sich hier übrigens nicht wohl und will nach Deutschland auswandern.
Warnt ihr bitte schon mal die Einwanderungsbehörde!